KMU investieren 2026 mehr – aber in das Richtige?

Verfasst für Swisspeers, 2. Oktober, 2026 / Philipp Koller, STRATS GmbH

Gemäss der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich wollen Schweizer Unternehmen 2026 rund 10 Prozent mehr investieren als im Vorjahr. Investiert werden soll in Anlagen, Forschung und Entwicklung sowie in den Ausbau bestehender Kapazitäten. Gleichzeitig liege die Sicherheit, dass die geplanten Investitionen tatsächlich umgesetzt werden, unter dem langfristigen Durchschnitt. Das gibt Anlass, den Investitionsentscheid selbst genauer zu betrachten. Welche grundlegenden Überlegungen gilt es vor jeder Investition zu machen?

Nehmen wir ein fiktives Produktionsunternehmen mit 50 Mitarbeitenden. Die Auftragslage ist gut, die Geschäftsleitung sieht weiteres Wachstumspotenzial und möchte nun Investitionen tätigen.Zur Diskussion stehen eine neue Produktionsanlage, zwei zusätzliche Mitarbeitende im Verkauf, die Expansion in einen neuen Markt, ein digitales Kundenportal, die Entwicklung eines neuen Produkts oder die Übernahme eines kleineren Betriebs. Jede dieser Investitionen kann sinnvoll sein. Die entscheidende Frage lautet jedoch, welche im Vergleich zu den anderen Möglichkeiten die grösste Wirkung entfaltet.

Wo liegt das grösste Wachstumspotenzial?

Bevor über die Investition entschieden wird, sollte deshalb geklärt sein, wo das grösste Wachstumspotenzial liegt.

- Wächst der bestehende Markt?
- Gibt es bislang kaum bearbeitete Kundengruppen?
- Besteht Nachfrage nach zusätzlichen Produkten?
- Liegt das Potenzial in zusätzlichem Umsatz oder in höherer Produktivität?


Ein Unternehmen mit grosser ungenutzter Nachfrage steht vor einem anderen Investitionsentscheid als eines in einem stagnierenden Markt. Beim ersten kann zusätzliche Produktionskapazität der entscheidende Hebel sein. Beim zweiten könnten Innovation, neue Märkte oder eine veränderte Positionierung wichtiger sein.

Engpass identifizieren

Ist das Wachstumspotenzial erkannt, stellt sich als Nächstes die Frage: Was hindert das Unternehmen daran, dieses Potenzial bereits heute zu nutzen? Bei unserem Produktionsunternehmen könnte die Nachfrage vorhanden sein, die bestehende Anlage aber bereits an ihrer Kapazitätsgrenze laufen. Dann liegt eine Investition in die Produktion nahe.Sind dagegen noch Kapazitäten vorhanden, aber zu wenige neue Kunden, dürfte eine zusätzliche Maschine wenig bewirken. Zusätzliche Mitarbeitende im Verkauf oder die Erschliessung eines neuen Marktes entfalten einen grösseren Hebel.Die offensichtlichste Investitionsmöglichkeit ist deshalb nicht zwingend die wirkungsvollste.

Langfristig denken
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Eine Investition sollte zudem nicht isoliert betrachtet werden, denn sie kann neben neuen Möglichkeiten auch Folgeinvestitionen auslösen.Die Expansion in einen neuen Markt benötigt nicht nur ein Verkaufsbudget. Möglicherweise müssen zusätzliche Mitarbeitende eingestellt, Produkte angepasst oder Vertriebspartner aufgebaut werden.Ein digitales Kundenportal kann Investitionen in Prozesse und Daten erfordern, zugleich aber die Kundenbindung stärken und neue Dienstleistungen ermöglichen.Auch eine Firmenübernahme lässt sich nicht allein anhand des zusätzlich erworbenen Umsatzes beurteilen. Mit ihr können neue Kunden, Mitarbeitende, Technologien oder Kompetenzen ins Unternehmen kommen. Umgekehrt entstehen Integrationskosten und zusätzliche Anforderungen an die Organisation.

Unsicherheit berücksichtigen
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Jeder Investitionsentscheid basiert auf Annahmen über die Zukunft. Man geht etwa davon aus, dass die Nachfrage bestehen bleibt, ein neues Produkt Kunden findet, der neue Markt sich wie erwartet entwickelt und die geplanten Produktivitätssteigerungen tatsächlich eintreten.Gerade bei grösseren Wachstumsinvestitionen kann es sinnvoll sein, nicht das gesamte Budget von Beginn weg freizugeben. Weitere Investitionsschritte können an konkrete Ergebnisse oder Meilensteine geknüpft werden.

Investieren wird damit zu einem fortlaufenden Prozess:
Entscheiden → umsetzen → Wirkung überprüfen → Ressourcen bei Bedarf neu verteilen

Mehr investieren, aber gezielt
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Die angekündigte höhere Investitionstätigkeit der Schweizer KMU ist ein positives Signal. Sie zeigt die Bereitschaft, trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten in Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu investieren. Verständlich ist dabei eine gewisse Unsicherheit über die tatsächliche Realisierung dieser Investitionen.
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Gerade für KMU mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen ist entscheidend, nicht möglichst viel, sondern möglichst wirkungsvoll zu investieren.

Für eine umfassende Entscheidungsfindung bieten sich somit die folgenden vier erläuternden Perspektiven an:

Strategische Relevanz: Passt die Investition zur angestrebten Entwicklung des Unternehmens?
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Erwartete Wirkung: Welchen Beitrag leistet sie zu Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit?
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Umsetzbarkeit: Verfügt das Unternehmen über die notwendigen Fähigkeiten zur Umsetzung?
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Risiko und Flexibilität: Wie gut lässt sich reagieren, wenn die Erwartungen nicht eintreffen?

Die klassische Finanzierungs- und Renditerechnung bleibt dabei wichtig. Sie setzt jedoch einen Schritt später an. Zuvor sollte geklärt sein, ob überhaupt in die richtige Möglichkeit investiert wird.

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STRATS GmbH – Beratung für Marketing und Wachstum
Die STRATS GmbH ist ein Beratungsunternehmen aus Zürich, das sich auf Marketingstrategie und Geschäftsentwicklung für KMU spezialisiert hat. Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre Zielgruppen besser zu verstehen, Marktpotenziale zu erkennen und daraus wirksame Massnahmen abzuleiten – von der Positionierung über die Kundengewinnung bis zur Markenkommunikation. Unser Ansatz verbindet ökonomische Analyse mit kreativem Denken und klarer Umsetzung.